Wissen · Stand 26.08.2026

Unternehmen kaufen ohne Eigenkapital: Welche Wege wirklich funktionieren

Firmenkauf mit wenig oder ohne Eigenkapital: Verkäuferdarlehen, Earn-out, Förderkredite und Bürgschaften — was realistisch ist und wo die Grenzen liegen.

„Kann ich ein Unternehmen kaufen, ohne Eigenkapital mitzubringen?“ Die ehrliche Antwort: ganz ohne eigenes Geld selten — aber mit deutlich weniger, als die meisten denken. Bei kleinen Übernahmen sind Strukturen mit 10 % Eigenkapitalanteil oder weniger keine Ausnahme, wenn der Rest klug gebaut ist.

Verkäuferdarlehen: der wichtigste Hebel

Beim Verkäuferdarlehen stundet der Altinhaber einen Teil des Kaufpreises — üblich sind 10 bis 30 % — und bekommt ihn über mehrere Jahre aus den Erträgen zurückgezahlt. Für Banken ist das doppelt wertvoll: Es senkt den Finanzierungsbedarf, und es signalisiert, dass der Verkäufer selbst an die Zukunft des Betriebs glaubt. Gerade bei Nachfolgen aus Altersgründen sind Verkäufer oft verhandlungsbereit, weil ihnen die Fortführung wichtiger ist als der letzte Euro.

Earn-out: Kaufpreis aus künftigen Gewinnen

Beim Earn-out hängt ein Teil des Kaufpreises von der künftigen Entwicklung ab — etwa vom Umsatz der nächsten zwei bis drei Jahre. Das verschiebt Zahlung und Risiko nach hinten. Wichtig: klare, messbare Kriterien vereinbaren, sonst ist Streit programmiert.

Förderkredite und Bürgschaften

Die KfW finanziert Übernahmen über den ERP-Förderkredit KMU, das ERP-Kapital für Gründung ersetzt bis zu einem gewissen Umfang sogar Eigenkapital (nachrangig, ohne Sicherheiten). Fehlen Sicherheiten, springen die Bürgschaftsbanken der Länder ein und verbürgen einen Großteil des Bankdarlehens. Beantragt wird alles über die Hausbank — und zwar zwingend vor dem Kauf.

Was realistisch ist

Je kleiner der Betrieb und je stabiler seine Erträge, desto eher lässt sich der Kaufpreis überwiegend aus dem Unternehmen selbst finanzieren. Ein Betrieb mit 150.000 € nachhaltigem Jahresertrag trägt eine Finanzierung über mehrere hunderttausend Euro. Was Käufer ohne Kapital aber mitbringen müssen: nachweisbare fachliche und kaufmännische Qualifikation — sie ist bei Bank und Verkäufer das Ersatz-Pfand für fehlendes Geld.

Die Grenzen

Ganz ohne Reserven bleibt die Übernahme riskant: Läuft das erste Jahr schlechter als geplant, fehlt der Puffer für Investitionen und Durststrecken. Als Faustregel sollte neben dem Kaufpreis Liquidität für drei bis sechs Monate Betriebskosten verfügbar sein — notfalls über eine Kontokorrentlinie.

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